Der Opel Kapitän war das wohl amerikanischste Auto Europas: vergleichsweise riesig und beinahe jährliche Modellwechsel. So verwundert es auch wenig, dass das Vorbild des jüngsten Brekina-Modells bereits die sechste Modellgeneration nach dem Krieg ist – wohlgemerkt: gerade einmal zehn Jahre nach der Einführung der Baureihe.
Mitte 1958 erschien also der "P", ausgestattet mit damals modischen, aber teuren Panorama-Scheiben vorne und hinten. Das Design stammte wohl direkt aus Detroit: Chrom wohin man guckt, ein großer und kaum zu entziffernder, da extrem verschlungener Schriftzug "Kapitän" am Heck und vor allem das, was diesem Auto seinen Spitznamen gibt: Rücklichter, die an ein Raketentriebwerk erinnern, integriert in große Heckflossen, darunter die kleineren Lampen, das ganze in der Form eines Schlüssellochs. Der Sechszylinder-Motor holte 80 PS aus 2,5 Litern Hubraum. Das war damals Oberklasse.
Gebaut wurde das Auto immerhin fast 35.000 Mal – ein Erfolg, von dem heutige Oberklasse-Fahrzeuge nur träumen können. Trotzdem war nach einem Jahr schon wieder Schluss; die niedrige Dachlinie am Heck war für ein Fahrzeug, in dem der Besitzer meist hinten saß und sich fahren ließ, arg unpraktisch. Der Nachfolger geriet optisch vergleichsweise langweilig, mit gut 150.000 Exemplaren (allerdings in vier Jahren) freilich noch erfolgreicher.
Modell
Bei der Akribie, mit der diverse Modellhersteller in den letzten Jahren die Geschichte von Opel aufarbeiteten, war ein Modell dieses Typs eigentlich nur eine Frage der Zeit. Und dass das Modell von Brekina kommt, ist ob des Anteils der Teninger an diesen Modellen auch nicht wirklich verwunderlich.
Über das Modell ist mit dem Satz "Es ist ein aktuelles Brekina-Modell" schon fast alles gesagt, die Detaillierung ist auf dem gewohnten Niveau. Selbst der Kapitän-Schriftzug ist bei einer Gesamthöhe von vielleicht 0,5 Milimetern unter der Lupe lesbar, und der Blinker an der C-Säule ist farblich abgesetzt! Kaum mehr als zu erahnen ist der Opel-Schriftzug auf der Motorhaube. Modellbaukunst vom Feinsten. Die Beurteilung der Richtigkeit von Details fällt angesichts der Menge an offensichtlich nicht mehr ganz serienmäßigen Fahrzeugen schwer. Bei der Anordnung des Außenspiegels scheint es indes kein "Richtig" oder "Falsch" zu geben – nahezu jedes Exemplar, von dem ich Fotos finden konnte, sieht anders aus. Ein zeitgenössisches Foto zeigt allerdings exakt die am Modell anzutreffende Anordnung. Die Kiemen am hinteren Radlauf sind ebenso wie eine Krone auf der Haube nicht bei allen Fahrzeugen vorhanden. Doch sogar ein türkisfarbenes Exemplar, das in allen Details dem Brekina-Modell entspricht, konnte ich ausfindig machen.
Ein Kritikpunkt trifft die Verarbeitung: Die Räder meines Modells eierten bei Auslieferung – und zwar alle. Die Fotomodelle machten diesbezüglich einen weitaus besseren Eindruck.
Die gewählten Farben erscheinen vor dem Hintergrund eines eher seriösen Autos verwunderlich, tatsächlich zeigen Fotos bei Wikipedia oder Flickr kaum Exemplare in den heute dominanten Farben Schwarz oder Silber; dafür umso mehr Buntes. Die drei Farben des Modells sind authentisch, richtig heißen sie (in der Reihenfolge der Katalognummern) Korallenrot, Türkis und Schwarz.
Hier findet sich gleich Potential für die Zukunft: Zunächst fehlen noch Gelb sowie diverse Grau-, Blau- und Grüntöne. Sämtliche Modelle gab es auch mit einem Dach in einem hellen Grau ("Alabastergrau"). Als Farbumkehr gab es Birkengrau mit graubunten Dächern, insgesamt 26 mögliche Farben. Die Deutsche Post Collection hat sich als Exklusivmodell bereits einen solchen zweifarbigen Kapitän (dunkelblau/hellgrau) gesichert. Das Serienmodell des 1958er Opel Kapitäns ist in drei Farben im Handel erhältlich: