Nachdem der Standard-Linienbus Ende der sechziger Jahre auf Initiative des Verbands Öffentlicher Verkehrsbetriebe (VÖV) entwickelt worden war, konnte er sich im Markt schnell eine feste Position verschaffen. Es lag daher nahe, auch für den Überland-Linienbus ein entsprechendes Standard-Fahrzeug zu konzipieren. Träger dieses Konzepts waren Deutsche Bundespost und Deutsche Bundesbahn, das private Personenverkehrsgewerbe und die im Bundesverband Deutscher Eisenbahnen zusammengeschlossenen Kraftverkehrsunternehmen. Der Standard-Überlandlinienbus (Stülb) ging auf die gleichen Überlegungen wie der VÖV-Bus zurück. Er berücksichtigte jedoch die Forderungen, die sich aus dem Einsatz in Überlandlinien-, Nachbarorts- und Berufsverkehr sowie Schüler- und kurzfristigen Mietwagenfahrten ergeben. Hierzu zählten u.a. der Kofferraum (auf den optional auch verzichtet werden konnte), ein ebener Wagenboden mit einheitlicher Sitzanordnung in Fahrtrichtung und ein starker Motor mit 13 PS/t-Mindestleistung. Bei der Gestaltung der Frontpartie griff man auf die klassische Panoramascheibe mit günstigeren Strömungsverhältnissen bei höheren Geschwindigkeiten – Landstraßentempo eben – zurück. Die günstigeren Luftströmungsverhältnisse waren auch der Grund dafür, dass man den Rest der Front ebenfalls rundlicher als die VÖV-Front gestaltete. Angenehmer Nebeneffekt war ein Erscheinungsbild, das von der überwiegenden Mehrheit der Betrachter als angenehmer beurteilt wurde.
Auf der Herstellerseite beteiligten sich an der Entwicklung die seinerzeit führenden Omnibusfabriken Daimler-Benz, Klöckner-Humbold-Deutz (Magirus), MAN und Büssing. Nach der Übernahme von Büssing durch MAN blieben schließlich noch drei Anbieter übrig.
Der Stülb wurde Ende Oktober 1972 in Anwesenheit von Regierungsvertretern, Verbandspräsidenten, einer großen Zahl von Gästen aus dem In- und Ausland sowie der Omnibusindustrie in Kiel der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein Bild der vier auf dieser Veranstaltung gezeigten Fahrzeuge findet sich u.a. im Brekina-Autoheft 2009/10 auf Seite 28.
Die Serienfertigung bei Mercedes begann 1973. Sowohl bei der Bundesbahn als auch bei der Bundespost wurden nahezu jährlich größere Serien des O 307 in Dienst gestellt. Während bei der Bahn zunächst der MAN SÜ 230/240 und bei der Post der Magirus 230 L 117 das meistbeschaffte Fahrzeug war, änderte sich dies im Laufe der Zeit. Der O 307 wurde bei beiden Großflottenbetreibern zum Fahrzeug mit der größten Verbreitung unter den Stülb-Modellen. Dieses Verhältnis dürfte sich auch auf die Gesamtproduktionsmenge der Stülb übertragen lassen.
Während der gesamten Bauzeit von 1972 bis 1986 wurde der O 307 kontinuierlich weiterentwickelt. Die meisten Änderungen erfolgten jedoch unter dem Blech, so dass sie auf den ersten Blick nicht erkennbar waren. Werkelte hier ursprünglich der Heckmotor OM 407h mit 11,4 Litern Hubraum und 210 PS, wurde seine Leistung 1977 auf 240 PS aus nun 11,8 Lutern Hubraum angehoben. Die einzige mehr oder weniger "einschneidende" Änderung im äußeren Erscheinungsbild brachte 1980 die Umgestaltung der Heckpartie: Die bisherigen Einzelleuchten wurden durch eine Mehrkammerleuchte ersetzt.
Modell:
Angesichts der langen Bauzeit und der riesigen Zahl der Standard-Busse wundert es ganz erheblich, dass ihre Verbreitung im Modell absolut nicht mithalten konnte. Neben den Wiking-Modellen Mercedes O 305 und O 305 G gab es auf dem Markt bisher nur den MAN SÜ 240 von Herpa – von Kleinserien- bzw. Bausatzmodellen wie MEK einmal abgesehen. Der 307er tat daher Not, so dass die Ankündigung durch Brekina in Sammlerkreisen begeistert aufgenommen wurde.
Tatsächlich fuhr im September 2009 das erste von der Deutschen Post als Sondermodell angebotene Modell vor. Es konnte auf den ersten Blick gefallen über zwanzig Jahre Warten haben sich gelohnt! Besonders augenfällig ist die aufwändige Bedruckung der schwarzen Fenstergummis. Im Gegensatz zu ähnlichen Ansätzen bei Wiking (D89 Doppeldecker) umfasst der Druck aber nicht nur die Oberseiten der Fensterstege, sondern reicht komplett in die Fenster hinein. Die Anmutung der gummigefassten Scheiben des Vorbilds wird so genau getroffen. Auch die übrigen filigranen Bedruckungen kleiden das Modell gut.
Erst auf den zweiten Blick entdeckt man sehr schön herausgearbeitete Details wie etwa die einzeln eingesetzte, freistehende Gangschaltung, das separat eingesteckte Armaturenbrett, die chromgefassten Front- und Heckleuchten sowie die innen freistehende (m.E. aber etwas zu kurze) Zielanzeige. Die Scheibenwischer sind bereits montiert, während die Seitenspiegel zur Selbstmontage beiliegen. All diese Kleinigkeiten lassen Brekinas Modell sehr hochwertig wirken.
Das scheint Absicht zu sein, wurde dem Modell doch ein selbstbewusstes Preisschild von 29,90 Euro verpasst. Ein Modell in dieser Preiskategorie muss sich allerdings auch einen dritten, kritischeren Blick gefallen lassen. Wie so oft bewahrheitet sich dabei das Sprichwort „Wo Licht ist, ist auch Schatten“. Wer das Original noch gut vor Augen hat, wird bei einigen Detailinterpretationen stutzen. So liegen dem Modell schwarze Rückspiegel bei – die frühen O 307 (denen das Brekina-Modell entspricht) trugen jedoch silberne. Auch die orangefarbene Bedruckung der beiden oberen Rückleuchten ist mir im Original so nicht bekannt; m.E. dürfte nur die obere Leuchtenreihe diese Farbe tragen, während die übrigen Leuchten rot sein müssten. Nicht ins Modell umgesetzt wurde außerdem die beim Original nach hinten ansteigende Bestuhlung. Schließlich würde es dem ganzen Erscheinungsbild des Fahrzeugs aus meiner Sicht besser zu Gesicht stehen, wenn der Mercedes-Stern an Front und Heck nicht nur aufgedruckt, sondern plastisch hervorgehoben wäre. Dass das Modell „krumm“ sei, wie andernorts beklagt wurde, kann ich dagegen nicht bestätigen. Fakt ist lediglich, dass die Bodenfreiheit hinten etwas geringer als vorne ist, der Wagen also hinten etwas tiefer liegt.
In meinen Augen sind diese Kritikpunkte jedoch marginal. Abgesehen davon, dass sie sich mit etwas Nacharbeit leicht beheben lassen, fallen sie auch nur ins Auge, wenn man nach ihnen sucht.
Bisher ist der O 307 in vier verschiedenen Dekorationsarianten erhältlich:
Deutsche Bundespost (Sondermodell der Deutschen Post Collection)
Beige mit roten Streifen (Sondermodell der Deutschen Post Collection)
Dazu werden sich bald weitere Varianten gesellen, etwa Anfang Mai das vom Verfasser in Kooperation mit Train & Play in Hannover aufgelegte Sondermodell im Dekor von RVH Regionalverkehr Hannover. Ein Exemplar dieses Modells war bereits auf dem Messestand von Brekina auf der Spielwarenmesse ausgestellt und unterwegs auf der Linie 574 Richtung Hannover ZOB.
An Vorbildfahrzeugen des Mercedes O 307 hat es gewiss nicht gemangelt, was viele viele schöne Varianten im Modell verspricht.